Es handelt sich um einen relativ neuen Fund: Die Borte wurde 2019 im eisenzeitlichen Bereich des Bergwerks entdeckt.

Das Fragment ist 34 cm lang und wurde aus Wolle als Schussfaden und Pferdehaar als Kettfaden gewebt. Der ursprüngliche Verwendungszweck der Borte ist nicht bekannt; Nahtspuren wurden nicht gefunden.
Als Karina Grömer 2020 bei Academia den Artikel Ein neues Brettchengewebe mit ungewöhnlichem Design aus dem Salzbergwerk Hallstatt veröffentlichte, habe ich noch am selben Abend einen ersten Rekonstruktionsversuch gewebt. Danach wurde es hier zunächst ruhig – nicht, weil ich nicht weiter daran gearbeitet hätte, sondern weil ich das Glück hatte, an der nächsten Veröffentlichung mitarbeiten zu können. Und solange eine Veröffentlichung noch nicht erschienen ist, kann man darüber natürlich nicht viel schreiben. Im Januar 2022 wurde der Artikel dann veröffentlicht.

This is a relatively recent find: the band was discovered in 2019 in the Iron Age section of the mine.
The fragment is 34 cm long and was woven with wool as the weft and horsehair as the warp. Its original purpose is unknown; no traces of stitching were found.
When Karina Grömer published the article Ein neues Brettchengewebe mit ungewöhnlichem Design aus dem Salzbergwerk Hallstatt on Academia in 2020, I wove a first reconstruction attempt that same evening. After that, things became quiet here for a while – not because I had stopped working on it, but because I was fortunate enough to contribute to the next publication. And until a publication has appeared, there is naturally not much one can write about it. The article was finally published in January 2022.

Auch wenn dieser Zeitraum zunächst recht lang erscheint, wurde die Borte damit doch erstaunlich schnell publiziert.
Ungewöhnlich für die Eisenzeit ist die Technik, in der die Borte gewebt wurde. Es handelt sich um eine Dreifarbentechnik, die mehr oder weniger identisch mit der heutigen Sulawesi-Technik ist. Hier dominiert der leuchtend gelbe Faden, während die roten und blauen Fäden zum Hintergrund verschmelzen. Aus der Eisenzeit gibt es bislang keinen vergleichbaren Fund.

Although this may seem like a rather long period, the band was actually published remarkably quickly.
The technique used to weave this band is unusual for the Iron Age. It is a three-colour technique that is more or less identical to what is now known as the Sulawesi technique. Here, the bright yellow thread dominates, while the red and blue threads blend into the background. So far, there is no comparable find from the Iron Age.

Ich habe die Borte mit 13 Brettchen nachgewebt. 2020 entstand zunächst eine Übersicht über die Motive, 2021 folgte eine Anleitung mit allen Feinheiten.
Ob die Abweichungen in den einzelnen Musterrapporten tatsächlich Fehler sind, kann ich nicht beurteilen. Sicher ist jedoch, dass diese Borte ohne eine Anleitung gewebt wurde, wie wir sie heute häufig benötigen. Bei frei ausgeführten Mustern sind Abweichungen in der Gestaltung einzelner Motive durchaus zu erwarten. An einer Stelle handelt es sich allerdings höchstwahrscheinlich um einen Webfehler – es könnte sich aber auch um eine Beschädigung des Fragmentes handeln.

I wove the band with 13 tablets. In 2020, I first created an overview of the motifs, followed by a detailed pattern draft in 2021.
I cannot say whether the variations in the individual pattern repeats are actually mistakes. What can be said with some certainty is that this band was woven without the kind of pattern instructions we often rely on today. When working freely, variations in the execution of individual motifs are quite natural. There is, however, one section that is most likely a weaving error – although it could also be damage to the fragment.


Es gibt nur wenige Borten aus der Eisenzeit, bei denen wechselnde Musterrapporte erhalten sind. Bei vielen liegt das vermutlich daran, dass die Fragmente nur wenige Zentimeter lang sind. Einige wenige, wie die Ärmelborte vom Hallstatt-Textil 123 oder die Ärmelborte aus Dürrnberg (Textil Nr. 4470), sind länger und zeigen ein sich wiederholendes Motiv.
Andere, wie die breite Borte aus Hochdorf (Fragmente 1.42 und 1.45), sind bis zu 9,7 cm lang und zeigen einen unregelmäßigen Musterrapport mit zwei verschiedenen Motiven in unterschiedlichen Variationen.

There are only a few Iron Age bands with surviving alternating pattern repeats. In many cases, this is probably because the fragments are only a few centimetres long. A few exceptions, such as the sleeve band from Hallstatt Textil 123 or the sleeve band from Dürrnberg (Textile No. 4470), are longer and show a repeating motif.

Others, such as the wide band from Hochdorf (fragments 1.42 and 1.45), are up to 9.7 cm long and show an irregular pattern repeat with two different motifs in several variations.


Der Musterrapport von 126520 ist für die Eisenzeit jedoch einzigartig. Die einzelnen Motive wiederholen sich bis zu fünfmal, bevor ein anderes Motiv gewebt wird.
Die vollständige Rekonstruktion von Hallstatt 126520 umfasst mehr als 300 Musterzeilen. Veröffentlicht wurde schließlich eine gekürzte Version mit 225 Zeilen, in der einige kleinere Unregelmäßigkeiten geglättet wurden.


The pattern repeat of 126520 is unique among the known Iron Age bands. The individual motifs are repeated up to five times before a different motif is woven.
The complete reconstruction of Hallstatt 126520 comprises more than 300 pattern rows. A shortened version of 225 rows was eventually published, with some minor irregularities smoothed out.

Literatur: 
Karina Grömer, Hans Reschreiter: 'Ein neues Brettchengewebe mit ungewöhnlichem Design aus dem Salzbergwerk Hallstatt', 2020
Karina Grömer, Hans Reschreiter, Silvia Ungerechts: 'Knowledgesharing: a newly found 2,700-year-old tablet-woven band from Hallstatt, Austria, 2021 (incusive einer Musteranleitung von mir)
Technik: eine Art Sulawesi 
Anleitung: hier