Im Isländischen Nationalmuseum gibt es unter anderem ein kleines brettchengewebtes Fragment aus Reykjasel i Jökuldal. Leider gibt es dazu nicht viele Informationen, nur, dass es in einem Frauengrab gefunden wurde und sich unter der Schalenfibel erhalten hat. Man sieht, dass es an Stoff genäht war. Es wird auf die Zeit von 800 - 1000 datiert.
Das Fragment ist nur wenige Zentimeter lang und in keinem guten Erhaltungszustand. Es ist mehrfarbig, aber Details sind nur schwer auszumachen.
Ende 2020 kam es in Seyðisfjörðu zu einem großen Erdrutsch. Bevor Sicherheitsmaßnahmen ergriffen wurden, wurde das umliegende Gebiet 2021/2022 archäologisch untersucht.
Unter dem Schlamm und Schutt wurden Grundmauern aus der Zeit vor 1100 gefunden, außerdem eine Zungenfibel mit Borre-Motiven, Glasperlen und mehrere Textilfragmente.
Darunter befand sich ein blauer Wollstoff mit einem rot-gelb-blauen, brettchengewebten Band. Es ist wahrscheinlich das Fragment eines Trägerkleides gewesen, denn es gibt hier geflochtenen Schlaufen zur Aufnahme der Fibelnadel.

Die Borte wurde ursprünglich zwischen 909 und 916 für Bischof Frithestan von Winchester angefertigt. Im Jahr 934 wurde sie von König Æthelstan in das Grab des heiligen Cuthbert gelegt. Sie diente vermutlich als Verzierung am Handgelenk eines Kleidungsstücks.
Ursprünglich war die Borte wahrscheinlich aus roter Seide gewebt. Von der ursprünglichen Färbung ist heute allerdings nur noch ein bräunlicher Farbton erhalten.
Weiterlesen: Eine Borte aus dem Schrein des Heiligen Cuthbert.
In der Altstadt von Dublin wurden seit dem Jahr 1962 mehr als 2.000 Textilfragmente ausgegraben. Die meisten Funde bestehen aus Wolle, einige wurden jedoch aus anderen Materialien wie Seide gefertigt.
Das hier vorgestellte Band stammt vermutlich aus der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts und wurde wahrscheinlich nicht in Dublin hergestellt.
Insgesamt wurden vier Borten gefunden, die mit Goldlahn broschiert waren, sowie zwei weitere mit Silberlahn. Teilweise waren die Gewebe so fein, dass sie bis zu 50 Schussfäden pro Zentimeter aufwiesen.
Die angelsächsischen Stickereien, die heute in Maaseik aufbewahrt werden und mit brettchengewebten Bändern verziert sind, wurden lange Zeit den Schwestern Harlindis und Relindis zugeschrieben. Die beiden Schwestern gründeten das Kloster Aldeneik, und so entstand die Vorstellung, dass die Stickereien von ihnen selbst angefertigt worden seien. Die erhaltenen Stickereien werden einem Messgewand zugeordnet.
Heute geht man davon aus, dass die broschierten Bänder ursprünglich in Angelsachsen hergestellt und erst später auf das europäische Festland gelangt sind. Die Bänder wurden vermutlich eigens als Verzierung für die Stickereien angefertigt und anschließend in das Gewand eingearbeitet.
Weiterlesen: Messgewandes der Heiligen Harlindis und Relindis; 8./9. Jahrhundert
Als im Jahr 1868 ein Bauer ein Hügel auf seinem Gelände abtragen wollte, fand er das reich ausgestattete Grab eines Mannes in dem sich viele Textilien erhalten hatten.
Das Textilstück ‚C136a’ ist ein brettchengewebtes Band.
Das Grab wird in die Zeit Harald Blauzahns, also um 970 n. Chr., datiert. Wer darin bestattet wurde, ist nicht bekannt. Das Grab wurde 1868 von Bauern entdeckt, die den Grabhügel abtrugen.
Die Ausgrabung wurde damals nicht nach wissenschaftlichen Maßstäben durchgeführt. Es wurde nichts dokumentiert, die Beigaben wurden herausgenommen und teilweise unter den beteiligten Bauern verteilt. Der Archäologe Arthur Feddersen kam kurz darauf hinzu und versuchte, die Funde nachträglich zu dokumentieren. Deshalb wissen wir bei vielen Textilien heute nicht mehr genau, wo sie ursprünglich im Grab gelegen haben.
Dieses brettchengewebte Band stammt aus einem Grab des 10. Jahrhunderts in Køstrup auf der dänischen Insel Fünen.
In den Jahren 1980 und 1981 wurde dort ein Gräberfeld archäologisch untersucht. Von den fünfzehn freigelegten Bestattungen enthielt lediglich Grab ACQ bemerkenswerte Textilfunde. Darunter befand sich ein 13,3 cm langes und 1,4 cm breites Fragment eines brettchengewebten Bandes.
Das Frauengrab wurde 1880 ausgegraben und es wurden viele Textilien gefunden. Darunter eine broschierte Borte (mit Silber- und Gold). Insgesamt wurden von dem Band 14 Fragmente gefunden. Die Fragmente sind datiert in die Mitte bis Ende des 10. Jhd
Nach einer Rekonstruktionszeichnung von Lise Raeder Knudsen habe ich das Muster für diese Borte entwickelt. Ein Teil entspricht der historischen Vorlage, ein anderer ist eine Abwandlung des historischen Musters.
Weiterlesen: Ein Bortenfragment aus dem 10.Jhd. aus Hvilehoj /Dänemark
Die Borte stammt aus dem Grab 824. Es handelt sich um ein Frauengrab aus dem 10. Jhd. Urspünglich säumte die Borte ein rechteckiges Seidenstück, das gefüttert war und über Schulter/Rücken lag.
Von der Borte wurden Fragmente von bis zu ca. 9 cm Länge gefunden.
Diese brettchengewebte Borte stammt aus Grab 855 des Gräberfeldes von Birka in Schweden und wird in das 8./9. Jahrhundert datiert.
Von den rund 170 Gräbern, in denen überhaupt Textilreste erhalten geblieben sind, enthielten nahezu 60 brettchengewebte Bänder. Agnes Geijer beschreibt sie in Birka III – Die Textilfunde aus den Gräbern mit den Worten:
„Von den ungefähr 170 Gräbern, in denen man überhaupt Spuren von Textilien gefunden hat, enthielten beinahe 60 Stück derartige Bänder. Die erhaltenen Brettchenborten aus Birka sind lauter reine Zierbänder.“
Wenn man in dem Buch Birka III - Die Textilfunde schaut, dann findet man zwei Seiten mit Musteranleitungen von Borten, aber das Band B18 ist nicht dabei.
Es handelt sich hier um eine Borte aus dem Grab 735, das auch auf der Tafel 17:2 in dem Buch abgebildet ist.
Es wird wie folgt beschrieben 'Brettchenband mit Silberschuss. In der Musterpartie 8 ganzseidene Brettchen. Am Rande 3 Brettchen, wovon das mittlere wahrscheinlich mit Flachs, die beiden übrigen mit Seide durchzogen wurden. Im Ganzen 14 Brettchen, Breite 7mm'.
'Von den ungefähr 170 Gräbern, in denen man überhaupt Spuren von Textilien gefunden hat, enthielten beinahe 60 Stück derartige Bänder.
Die erhaltenen Brettchenborten aus Birka sind lauter reine Zierbänder.'
aus Birka III die Textilfunde aus den Gräbern von Agnes Geijer
Diese Borte stammt aus dem Grab 735. Es ist ein Grab mit kostbaren Beigaben, indem ein Mann und eine Frau gemeinsam begraben worden sind. Ich selbst haben noch nicht herausgefunden, von wem der Beiden diese Borte ist.
Eine Borte aus dem Gräberfeld Birka, Schweden 8./9. Jhd.
Auch hier stammt das Original wie auch die Borte B2 aus dem Frauengrab 824 aus dem 10. Jhd.. Das gefundene Fragment ist ca. 9,5 cm lang und 1,2 cm breit.
Es wurde abwechselnd mit Gold- und Silberschuss gewebt, hatte 17 Musterbrettchen und an jeder Seite 4 - 6 Randbrettchen (ein Teil davon ist vergangen). Wahrscheinlich war das Stück ursprünglich an einen jetzt vergangenen Stoff angenäht. Fragmente gleichen Aussehens haben wahrscheinlich hierzu ein Gegegenstück gebildet.
Auf Seite 147 des Buches 'Osebergfunnet Bind IV' ist ein Bild von der Ausgrabung von 1904, das O.Vaering gemacht hat. Dort sind verschiedene Brettchengewebte Borten in Fundlage abgebildet. Es ist ein S/W Bild in einer guten Qualität. Nur die Fragmente sind in einer nicht so guten Qualität.
Deswegen ist es hier auch so schwierig eine gute Rekonstruktion zu machen, wenn man nur erahnen kann, was für eine Technik das ist und die Musterlinien auch nicht deutlich ausgeprägt sind.
Ein schmales Band aus Oseberg - Norwegen (ca. 830 n.Chr.)
Manchmal brauche ich zur Abwechslung zu sehr aufwändigen Arbeiten was ‚Schnelles‘ für Zwischendurch. Nichts worüber ich lange nachdenken muss, sondern einfach das Muster aufziehen und loslegen kann.
Dieses Mal habe ich mir das schmale Oseberg-Band aus 'Reconstructed tablet woven bands from Vestfold' von Else-Margrethe Huse ausgesucht. Das Band ist ein Teil des Fragments 12 L 1 das im Buch ‚Tekstilene’ folgendermaßen beschrieben wird: ‚Cake containing spiral patterned silk embroidery, silk tablet-woven band type IV, weft faced compound twill, red wollen tabby...“ It is 0,5 cm wide.
Das Gräberfeld von Humikkala i Masku (Süd-Finland), das in den 1920 Jahren augegraben wurde, wird auf die Zeit zwischen 1.000 und 1.100 n. Chr. datiert.
In dem Grab 31:18 wurde die Borte NM 8656 gefunden, die in den letzten Jahrzehnten schon in den verschiedensten Versionen rekonstruiert wurde.
Die wohl bekannteste ist von Egon Hansen aus dem Buch 'Tablet Weaving'.
1991 wurde in Kirkkomäki ein beindruckendes Frauengrab ausgegraben. Das Grab wird auf die 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts datiert und neben vielen Textilien wurden auch brettchengewebte Bänder gefunden.
Dieses hier befand sich in Höhe der Taille und zwei bronzene Bärenzahnanhänger waren daran befestigt. Mit 7 cm Länge und 1,6 cm Breite ist leider nur ein kleines Fragment gefunden worden. Jedoch ist es groß genug, um ein Muster zu erkennen.
Es handelt sich um einen Grabfund aus dem 10. - 13. Jhd. aus Finnland. Mehr dazu ist nicht bekann.
Theodor Schwindt hat das Motiv in seinem Buch'Tietoja Karjalan rautakaudesta' aus dem Jahre 1893 gezeichnet. Es hat dort die Abbildungnummer 376.
Es handelt sich um die s/w Zeichnung Nr. 379 aus Theodor Schwindts Buch Tietoja Karjalan rautakaudesta aus dem Jahr 1893.
Die Zeichnung ist außergewöhnlich klar und detailliert. Fast hat man den Eindruck, jede einzelne Faser erkennen zu können.
In dem Buch 'Tietoja Karjalan rautakaudesta' von Theodor Schwindt aus dem Jahre 1893 gibt es insgesamt 4 Zeichnungen von Bändern.
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mit dieser Zeichnung aus dem Buch zuerst nicht viel anfangen konnte und so habe ich mich auf die Rekonstruktion aus dem Buch 'Applesies and fox Noses finnish tabletwoven bands' von Maikki Karisto und Mervi Pasanen verlassen. Später dann, habe ich doch noch etwas gesehen. Und zwei Jahre später meine eigene Version gewebt.
Eine weitere einfache Borte aus Ladoga / Fig 55
Zusätzlich zu den aufwändigen mit Metall broschierten Borten sind hier Borten erhalten, die einfach und mit einem vergleichsweise geringen Zeitaufwand zu weben sind.
Hier die Borte nach Fig. 55., leider geht aus ihrer Beschriftung nicht hervor, wo im Gräberfeld sie geborgen wurde. Der ursprüngliche Verwendungszweck ist auch unbekannt.
Es gibt sie wirklich: die ganz einfachen Bänder. So gibt es aus den Gräberfeldern um Ladoga mehrere Funde. In dem Brandgab im Hügel 1 von Gaigovo I wurden einige ganz einfach gewebte Borten gefunden.
Das Grab enthielt drei Garnituren, die wahrscheinlich einer einzigen Frau gehörten; vieles war verbrannt, doch einige Textilfragmente und Schmuck haben die Zeit überdauert.
Über dieses Band ist nicht viel bekannt. Es stammt aus dem Gräberfeld aus Ladoga, leider weiß man weder das Grab, noch kennt man eine Datierung.
Anhand von ähnlichen finnischen Funden würde ich es ins 10./11. Jhd. datieren.
In der Veröffentlichung findet man jedoch eine ausführliche Analyse des Bandes.
Weiterlesen: Ein broschiertes Band aus dem Gräberfeld Ladoga / Russland
Ein weiteres brettchengewebtes Band aus dem Gräberfeld Ladoga / Russland
Das Objekt Nr. 6 ist zweiteilig. Zum einem besteht es aus einem schmalen brettchengewebten Band und zum anderen aus einem Stück Stoff, auf das das Band angenäht wurde. Es ist genau wie die anderen Textilfunde in das 10. - 12. Jhd. datiert.
Leider ist der Fundbericht auf Russisch und mein Übersetzungsprogramm hat mich im Stich gelassen, so dass ich mich auf das verlassen habe, was ich selbst interpretieren kann: das Bild von der Borte.
Ein brettchengewebtes Band aus dem Gräberfeld Ladoga / Russland.
Der Ort Lagoda wurde um 750 n.Chr. aus dem skandinavischen Raum besiedelt und liegt etwa 15 Kilometer südlich der Mündung des Wolchow in den Ladogasee, nicht ganz 150 km östlich von St. Petersburg.
Die Funde aus dem Gräberfeld stammen aus einer späteren Zeit und werden auf das 10. bis 12. Jahrhundert geschätzt.
Die ursprünglich goldbroschierte Borte stammt aus dem Grabhügel Hügel POl-62.
Es wurden 10 Fragmente gefunden, die an eine Stoffkannte genäht waren. Das größte Fragment war 17,5 x 7 cm groß.
Der Grabhügel wird in die 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts datiert.
Manchmal 'stolpert' man über Dinge und weiß zuerst nicht was man damit soll. So war es mit dieser Borte. Als vor einiger Zeit, die Abbildung von dem Kaftanfragment in einer Gruppe auftauchte, war ich begeistert. Doch welche Technik war es? Broschiert? Ich starrte auf meinen Monitor und konnte nichts erkennen
Als ich das Bild einer Freundin auf meinem Handy zeigte, meinte sie nur 'Da sind doch Nupsies', und ja, in der anderen Auflösung, war es plötzlich klar. Es war ein Zweilochgewebe.
Im Jahr 2005 wurde bei einer Ausgrabung unter anderem dieses Grab geöffnet, das in die 2. Hälfte des 10. Jhd. datiert wird. In dem Grab befand sich ein Mann, der mit vielen Beigaben bestattet wurde, u.a. mit einem Schwert, Sattel und zwei Pferden.
Zu der Ausstattung gehörten auch mindestens fünf Textilstücke und mehrere Stücke einer brettchengewebten, broschierten Borte (Silberlahn).
Als Sir Marc Aurel Stein 1907 in Miran Fort, das am südöstlichen Rand der Taklamakan-Wüste an der Seidenstraße liegt, Müllhaufen ausgrub, fand er nicht nur frühe Beispiele tibetischer Schrift, sondern auch Textilfragmente, die auf das späte 8. Jahrhundert zurückgehen. Unter den Textilien befanden sich auch zwei zusammengenähte Bänder, die brettchengewebt waren. Die Bänder wurden mit insgesamt ca. 180 Brettchen gewebt und hatten eine Breite von mehr als 20 cm (7,9″).
Das breitere Band hat ein komplexes Flottierungsmuster (das Muster findet man in 'Kaartweeftechnieken patronen met Kettingflottering' von Marijke van Epen). Das schmalere Band ist das mit den Tiermotiven. Der Löwe ist gut bekannt, aber es gibt noch ein anderes Tier, das einem Pferd oder einem Maultier ähnelt. Das Band ist etwa 3,6 cm (1,2″) breit.

