Es handelt sich um die s/w Zeichnung Nr. 379 aus Theodor Schwindts Buch Tietoja Karjalan rautakaudesta aus dem Jahr 1893.
Die Zeichnung ist außergewöhnlich klar und detailliert. Fast hat man den Eindruck, jede einzelne Faser erkennen zu können.


This reconstruction is based on the black-and-white drawing No. 379 published in Theodor Schwindt's book Tietoja Karjalan rautakaudesta in 1893.
The drawing is exceptionally clear and detailed. It almost gives the impression that every single fibre can be distinguished.

Der Fund stammt aus einem Grab des 10. bis 13. Jahrhunderts in Finnland. Leider sind mir keine weiteren Informationen zu diesem Band bekannt.
Als ich das Band zum ersten Mal nachwebte, war ich überzeugt, dass es sich um ein Band in Köpertechnik handelt. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher.



The original band was found in a grave in Finland dating from the 10th to the 13th century. Unfortunately, I have not been able to find any further information about this band.
When I first wove this band, I was convinced that it had been woven in the 3/1 broken twill technique. Today, I am no longer so certain.

Die drei Randbrettchen auf jeder Seite sind auf der Zeichnung gut zu erkennen. Deutlich schwieriger war die Anzahl der Musterbrettchen zu bestimmen. Nach einigen Versuchen habe ich mich für acht Musterbrettchen entschieden.
Für meine Nachwebung habe ich ein 0,9 cm breites Band mit insgesamt 14 Brettchen gewebt: je drei Randbrettchen und acht Musterbrettchen, alle mit Wolle aufgezogen. Als Schussfaden verwendete ich Leinen.

The three border tablets on each side are clearly visible in the drawing. Determining the number of pattern tablets was much more difficult. After several trials, I decided on eight pattern tablets.
For my reconstruction, I wove a band approximately 0.9 cm wide using a total of 14 tablets: three border tablets on each side and eight pattern tablets, all threaded with wool. I used linen for the weft.

Für den Leinenschuss habe ich mich entschieden, weil auf der Zeichnung kein Schussfaden zu erkennen ist. Je nach den Erhaltungsbedingungen überdauern entweder Wolle oder Leinen die Jahrhunderte – beide Materialien bleiben jedoch nur selten gemeinsam erhalten. Es ist daher durchaus möglich, dass der ursprüngliche Leinenschuss vergangen ist, und deswegen auf der Zeichnung nicht sichtbar ist, während die Wollkette erhalten blieb.
Mein erster Versuch entstand mit einem Schussfaden aus roter Wolle. Dadurch wurde der Rotton jedoch sehr dominant und die charakteristischen Karos wirkten deutlich weniger klar.
Mit meiner heutigen Nachwebung bin ich zwar recht nah am Vorbild, dennoch würde ich sie nicht als Rekonstruktion bezeichnen. 

I chose a linen weft because no weft thread is visible in the drawing. Depending on the burial conditions, either wool or linen may survive for centuries, but the two materials rarely survive together. It is therefore quite possible that the original linen weft has decayed and is therefore not visible in the drawing, while the wool warp has survived.
My first attempt used a red wool weft. However, the red colour became too dominant and the characteristic checks appeared much less distinct.
Although my current weaving comes fairly close to the original, I would not describe it as a reconstruction. Too many details of the original are still unknown.

Literatur:
Theodor Schwindts 'Tietoja Karjalan rautakaudesta' 1893.
Maikki Karisto, Mervi Pasanen 'Applesies and fox Noses finnish tabletwoven bands, 2013
Muster: eigener Entwurf 
Technik: Köper