An Band 152 (Inv.-Nr. 89.870) lässt sich gut nachvollziehen, wie weit sich die Textilforschung im Bereich des Brettchenwebens in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat.
Das Band wurde bei den Ausgrabungen entdeckt, die zwischen 1989 und 1994 im Kernverwässerungswerk des Salzbergwerks Hallstatt stattfanden.
In der ersten Veröffentlichung von 2001 wurde das Gewebe noch als Vierlochgewebe interpretiert. Diese Deutung wurde 2009 im Aufsatz Ein abgerissener Ärmel aus dem Salzbergwerk Dürrnberg korrigiert. Seitdem gilt das Band als Zweilochgewebe.


Eine weitere Veröffentlichung aus dem Jahr 2017 zeigte, dass das Original nicht – wie zuvor angenommen – mit zwölf, sondern mit zehn Musterbrettchen gewebt wurde. Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass die Farbverteilung der Musterbrettchen nicht symmetrisch war.
Das Original besteht aus 10 Musterbrettchen sowie je zwei Randbrettchen auf beiden Seiten. Es ist etwa 1,2 cm breit, Kette und Schuss bestehen aus Wolle. Im Vergleich zu anderen Hallstätter Borten wurde hierfür ein deutlich gröberes Garn verwendet.


Ich habe diese Borte im Laufe der Jahre mehrfach gewebt. Mit jeder neuen Veröffentlichung änderte sich das Bild des Originals ein wenig – und damit auch meine Rekonstruktionen. Wahrscheinlich werde ich die Borte irgendwann noch einmal neu weben, um den heutigen Forschungsstand vollständig umzusetzen.


Meine Rekonstruktionen


Um 2002
Meine erste Rekonstruktion entstand anhand der damals veröffentlichten Abbildungen. Bereits zu diesem Zeitpunkt erkannte ich, dass das Band mit zwei statt vier Fäden in den Musterbrettchen gearbeitet worden sein musste. Ich verwendete ein vergleichsweise dickes Garn und erreichte mit etwa 1,3 cm nahezu die Breite des Originals. Allerdings arbeitete ich nur mit zwei statt drei Farben.


Um 2010
Für die zweite Rekonstruktion verwendete ich das gleiche Garn wie für meine anderen Hallstatt-Borten. Dadurch wurde das Band mit etwa 0,9 cm jedoch deutlich zu schmal.

Um 2020
Bei der dritten Rekonstruktion berücksichtigte ich eine asymmetrische Farbverteilung bei den Randbrettchen. Die Ergebnisse der Veröffentlichung von 2017 hatte ich noch nicht einbezogen. 


Literatur:
GRÖMER, K., "Brettchenwebereien aus dem Salzbergwerk in Hallstatt", Archäologie Österreichs, vol. 12, Wien, Österreichische Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, pp. 49-58, 2001.
Hallstatt Textiles - Technical Analysis, Scientific Investigation and Experiment on Iron Age Textiles, 2005
-  Ein abgerissener Ärmel aus dem Salzbergwerk Dürrnberg - Neue Erkenntnisse zur Brettchenwebtchnik in der Eisenzeit JAHRBUCH DES RÖMISCH-GERMANISCHEN ZENTRALMUSEUMS MAINZ 56. Jahrgang 2009 http://tabletweaving.dk/wordpress/wp-content/uploads/2015/03/Jb2009_Sonderdruck_Groemer_Stoellner1.pdf Karina Grömer and Maikki Karisto Different solutions for a simple design: New experiments on tablet weave HallTex 152 from the salt mine Hallstatt, EXAR Bilanz 2017