Im Buch Hochdorf IV beschreibt Johanna Banck-Burgess zahlreiche Textilfragmente aus dem Grab des Keltenfürsten von Hochdorf (ca. 550–500 v. Chr.). Von dem Brettchengewebe vom Kessel (TK 7C) ist eine Aquarellzeichnung von H. J. Hundt überliefert, die er direkt nach der Freilegung des Textils erstellt hatte. 
Sie zeigt deutlich mehr Einzelheiten als sich am erhaltenen Gewebe noch erkennen lassen.

Während viele der aufwendigen Borten aus Hochdorfer als Brettchengewebe mit ausgelassenem Einzug gearbeitet wurde, ist dies bei diesem Fund nicht der Fall gewesen. Anhand der Zeichnung ist klar, dass das Gewebe in einer eine Kombination aus Köpertechnik und Flottierung gewebt wurde.
Das Original ist 3,5 cm breit und wurde aus Wolle und Leinen gewebt. Es besteht aus drei Musterzonen mit geometrischen Motiven, wobei das zentrale Motiv ein Hakenkreuz bildet.


Die Grundlagen für diese Rekonstruktion lernte ich vor vielen Jahren in einem Kurs bei Marijke van Epen. Nach ihren Vorgaben entwickelte ich das Muster nach. An diesem Wochenende habe ich mehr über Brettchenweben gelernt als in den Jahren zuvor.
Als ich die Borte vor über zwanzig Jahren zum ersten Mal webte, hatte ich kein Problem damit, das historische Hakenkreuzmotiv auf Ausstellungen zu zeigen. Heute sehe ich das anders. Obwohl das Motiv historisch eindeutig einzuordnen ist, löst es bei vielen Betrachtern verständlicherweise andere Assoziationen aus.

Ich möchte mit meinen Borten über historische Webtechniken ins Gespräch kommen und nicht über politische Symbolik. Deshalb blieb diese Rekonstruktion bei Ausstellungen meist in der Tasche.
2020 habe ich die Borte deshalb noch einmal gewebt und das zentrale Motiv bewusst verändert.
Ich entschied mich für ein geometrisches Muster mit einer sehr ähnlichen Formensprache, das ebenfalls historisch belegt ist. Gleichzeitig wollte ich die originale Materialkombination aus Wolle und Leinen ausprobieren, nachdem ich bereits mehrere Borten in dieser Kombination gewebt hatte.

Daten zur Rekonstruktion
Für die Rekonstruktion habe ich mit 64 Brettchen gearbeitet. Die Kette besteht aus mit Kermes und Waid gefärbter Wolle sowie gebleichtem Leinen. Die gewebte Borte hat eine Breite von 4,3 cm.

Literatur
Johanna Banck-Burgess, "Hochdorf IV", 1999
Kathrina von Kurzynsky "... und ihre Hosen nennen sie bracas", 1996
Johanna Banck-Burgess, "Mittel der Macht. Textilien bei den Kelten", 2012
Hartwig Zürn, "Hallstattzeitliche Grabfunde in Württemberg und Hohenzollern, 1987 Keltenmuseum Heuneburg 'Bunte Tuche gleißendes Metall - Frühe Kelten der Hallstattzeit', 2007 
Muster: eigener Entwurf (dank Unterstützung von Marijke von Epen)
Technik: Köperbindung