Josef Braun beschreibt das Cingulum aus Halberstadt in seinem Buch Die liturgische Gewandung im Occident und Orient (1907) folgendermaßen:
„Es besteht aus einer 1,08 m langen und 0,016 m breiten, grünseidenen Borte, der in Gold Löwen, Rosetten und ähnlich stilisierte Ornamente eingewebt sind. Als Innenfutter ist roter Taft, als Einlage ein Pergamentstreifen verwendet worden. An den Enden des Gürtels sind kostbare, in Posamentierarbeit hergestellte Behänge angebracht, welche eine Länge von 0,76 m haben, in Gold und Seidenfäden ausgeführt sind und unten in Quästchen ausmünden. Zweck des Anbindens des Gürtels dienen zwei nahe den beiden Enden des eigentlichen Gürtels an der Innenseite angesetzte kräftige, aus blauem Leinengarn gewirkte Bändchen, von denen das eine gegenwärtig eine Länge von 0,63 m, das andere von 0,97 m hat.


Josef Braun describes the cingulum from Halberstadt in his book *Liturgical Vestments in the West and the East* (1907) as follows:
“It consists of a green silk braid 1.08 m long and 0.016 m wide, into which lions, rosettes and similarly stylised ornaments are woven in gold. Red taffeta has been used as the inner lining, and a strip of parchment as the interlining. Attached to the ends of the belt are precious trimmings, crafted using passementerie, which are 0.76 m long, made of gold and silk threads, and terminate in tassels at the bottom. The belt is fastened using two sturdy ribbons, woven from blue linen yarn, attached to the inside near each end of the belt itself; one of these is currently 0.63 m long, the other 0.97 m.”



Das Originalband ist 1,7 cm breit und 108 cm lang (ohne Behänge). Die Kette besteht aus grüner Seide, der Schuss aus grünem Leinen. Broschiert wurde mit Gold- und Silberlahn. Das Band wurde mit 44 Brettchen gewebt, die jeweils mit vier Fäden aufgekettet wurden; der Aufzug erfolgte abwechselnd in S- und Z-Richtung.

The original band is 1.7 cm wide and 108 cm long (excluding the hangings). The warp is made of green silk, the weft of green linen. It was brocaded with gold and silver thread. The band was woven on 44 cards, each warped with four threads; the threading alternated between the S and Z directions.

Ich habe das Band 2005 nach einer Anleitung von Nancy Spies nachgewebt, noch bevor ich Gelegenheit hatte, das Original zu sehen. Dies konnte ich 2014 nachholen. Mit den heutigen Kenntnissen würde ich die Rekonstruktion nicht mehr in derselben Form anfertigen.
Da die Nachwebung nicht als Cingulum, sondern als Gürtel verwendet werden sollte, habe ich bewusst dickeres Seidengarn verwendet, sodass die Borte eine Breite von 3,0 cm erreicht. Abweichend vom Original kam außerdem Leinen als Schussfaden zum Einsatz. Broschiert wurde mit Goldlahn und weißer Seide, um einen stärkeren Farbkontrast zu erzielen.
Die Schnalle und die Beschläge bestehen aus vergoldeter Bronze. Die Schnalle ist die Rekonstruktion eines Fundes aus Frankfurt, die Beschläge wurden nach einem Fund aus Gotland (Schweden) gefertigt. Der Gürtel ist mit handgewebtem Leinen hinterfüttert, um ihm eine höhere Stabilität zu verleihen.

I rewove the band in 2005 following instructions by Nancy Spies, even before I had had the chance to see the original. I was finally able to do so in 2014. With the knowledge I have now, I would no longer produce the reconstruction in the same way.
As the reproduction was intended to be used as a belt rather than a cingulum, I deliberately used thicker silk thread so that the braid would be 3.0 cm wide. Unlike the original, linen was also used as the weft thread. It was brocaded with gold thread and white silk to achieve a stronger colour contrast.
The buckle and fittings are made of gilded bronze. The buckle is a reconstruction of a find from Frankfurt, whilst the fittings were made based on a find from Gotland (Sweden). The belt is lined with hand-woven linen to give it greater stability.

Technische Daten der Nachwebung
Die Kette besteht aus jeweils zwei grünen und zwei gelben Fäden Realseide pro Brettchen. Als Schussfaden wurde Leinen verwendet, broschiert mit Goldlahn und weißer Seide. Die Nachwebung hat eine Breite von 3,0 cm.

Technical details of the reproduction weaving
The warp consists of two green and two yellow threads of real silk per card. Linen was used as the weft, brocaded with gold thread and white silk. The reproduction weaving is 3.0 cm wide.

Literatur: 
Nancy Spies, "Ecclesiastical Pomp & Aristrocatic Circumstance", Maryland 2000
Josef Braun 'Die liturgische Gewandung im Occident und Orient', 1907
Muster: Nancy Spies
Technik: Broschieren