Wenn Frau 2020 plötzlich viel mehr Zeit hat, weil wegen Corona keine Veranstaltungen mehr stattfinden können und auch Treffen mit Freunden deutlich seltener geworden sind, dann sucht sie sich eben ein neues Projekt.

Es gibt viele Dinge, die ich machen möchte, wenn ich einmal in Rente bin. Eines davon habe ich bereits 2020 in Angriff genommen: die Rekonstruktion des Thorsberger Prachtmantels.

Alleine konnte ich dieses Projekt allerdings nicht umsetzen, denn ich kann zwar Brettchenweben, aber keinen Stoff weben. Deshalb habe ich Marled von „Archäotechnik Textile Fläche“ angesprochen. Sie hat sich bereit erklärt, den Stoff für mich zu weben. Damit musste ich mich „nur“ noch um die Recherche und Rekonstruktion der brettchengewebten Borten kümmern.

Vom Thorsberger Prachtmantel haben sich mehrere Fragmente erhalten, und der Mantel ist vergleichsweise gut dokumentiert. Inzwischen weiß man, dass zwei Borten direkt als Anfangs- und Endkante an den Stoff angewebt waren, während die beiden anderen Borten nachträglich angenäht wurden.

Als Marled den Stoff webte, ließ sie deshalb sowohl am Anfang als auch am Ende lange Fransen, damit ich die Borten nachträglich anweben konnte. Dadurch sieht die ursprüngliche Anfangskante natürlich etwas anders aus als beim Original, aber diesen Kompromiss habe ich für die Rekonstruktion bewusst in Kauf genommen.

 

Der Stoff wird gewebt 
Bild von Marled Marder

  Der Stoff wird gewebt 
Bild von Marled Marder

Im Juli 2020 war es dann soweit und ich bekam den fertigen Stoff. Da ich die Recherche bereits im Vorfeld begonnen und die erste Borte vorbereitet hatte, konnte ich direkt mit der Borte mit 138 Brettchen beginnen und sie annähen.

Als Nächstes nahm ich mir die beiden Borten vor, die direkt an den Stoff angewebt waren: die Anfangskante mit sieben Brettchen und die Endkante mit insgesamt 178 Brettchen. Zum Schluss webte ich noch die vierte Borte mit neun Brettchen, die anschließend angenäht wurde.

Im Herbst 2020 war der eigentliche Web- und Nähteil abgeschlossen. Dann kam allerdings noch der für mich wirklich aufwändige Teil: die Fransen.

Nach dem Fund handelt es sich um eine achtfache Flechtung mit quadratischem Querschnitt. Schlabow beschreibt die Technik in seinem Buch ausführlich, aber selbst nach mehrfachem Lesen habe ich nicht verstanden, wie ich diese Flechtung praktisch umsetzen sollte.

Bis mir jemand den entscheidenden Tipp gab: „Über 5, unter 2.“

Und plötzlich funktionierte es.


Aber es hat unendlich lange gedauert, bis ich mit dem Flechten der Fransen fertig war. 

Im Sommer 2021 konnte ich dann Aufnahmen am Mann machen. Hans war so nett und hatte ihn getragen. 


Hatte ich ihn anfangs oft als Tischtuch verwendet, so gibt es jetzt eine Kleiderpuppe, Bobby, die auf Veranstaltungen oft dabei ist.
Inzwischen mit rekonstruktionsvorschlägen zu der Borte an der Thorsberger Tunika.