Die Techniken
Wikipedia definiert das Brettchenweben als eine Handarbeit, bei der Fäden durch Löcher in Brettchen geführt werden und durch die Drehung der Brettchen sowie das Verwenden eines Schussfadens ein Gewebe entsteht.
Genau so werden auch alle Borten des Brettchenwebens gewebt.
Aber dann kommen noch die ganzen unterschiedlichen Methoden hinzu, wie man die Fäden in die Brettchen einführt und wie man dreht. Das sind die unterschiedlichen Techniken. Ich erkläre hier kurz die gängigsten Techniken.
Strukturgewebe
In dieser Technik werden alle Brettchen einfarbig bezogen und das Muster entsteht sowohl durch die Gestaltung des Aufzuges als auch durch die Drehsequenzen.
Das bekannteste historische Band ist der Gürtel Philipps von Schwaben. 
Hier wurden abwechselnd 9 Brettchen in S- und 9 Brettchen in Z-Stellung aufgekettet und alle Brettchen abwechselnd 6-mal vor und 6-mal zurück gedreht.
Weitere Funde kenne ich leider nicht, aber einige Abbildungen von spätmittelalterlichen Gürteln könnten in dieser Technik gewebt worden sein.
Schnurbindung
Das ist heutzutage die am häufigsten verwendete Brettchenwebtechnik.
Hier wird das Muster durch den Aufzug der Brettchen bestimmt. Häufig werden die Brettchen mit unterschiedlichen Farben bezogen und meistens haben die Muster eine einfache, regelmäßige Drehsequenz. Häufig verwendet wird die Drehsequenz „vier vor / vier zurück“.
Mehr Bilder gibt es hier.
Im historischen Kontext sind bisher sehr wenige Borten dieser Art gefunden worden. Meistens mit einem einfachen Aufzug, der schnell gewebt werden kann. Häufiger sind einfache Borten, die kontinuierlich in eine Richtung gedreht werden. Funde gibt es aus dem „koptischen“ Ägypten.
In den Bereich der Schnurbindung fallen auch Borten mit komplexeren Drehsequenzen, bei denen das Muster aber immer noch durch den Aufzug bestimmt wird.
Einen Teil der komplexen Schnurbindungsborten bezeichnet man als „Kivrim“.
Kivrim ist laut Peter Collingwood die regionale Bezeichnung für anatolische brettchengewebte Bänder. Am bekanntesten sind wahrscheinlich das „Widderhorn“ oder der „laufende Hund“, die beide aus dem 19. Jahrhundert stammen.
Diese Technik ist zwar recht einfach, aber vor dem 19. Jahrhundert gibt es so gut wie keine Funde, die so gewebt wurden (und das, von dem ich vermute, dass es in dieser Technik gewebt wurde, wurde zusätzlich broschiert).
Die Diagonalen
Egal, ob man sie nun als „ägyptische Diagonalen“ oder als „finnische Diagonalen“ bezeichnet – beides steht für eine recht einfache Technik.
Hier werden die Brettchen zweifarbig (identische Farben nebeneinander), manchmal auch dreifarbig bezogen und das Muster entsteht nicht durch das Drehen aller Brettchen der Borte, sondern durch das Drehen einzelner Brettchenpakete in unterschiedliche Richtungen. Aber es ist immer noch relativ einfach, sodass es ein guter Einstieg in die komplizierteren Techniken ist (von Aufzug und Struktur her ist es auch ein Köper, nur werden hier einfachere Drehrhythmen verwendet).
Im skandinavischen Raum gibt es einige traditionelle Muster, die auf dieser Technik basieren. Leider sind die meisten nicht datiert.
Doubleface
Hier gibt es keine wirkliche Vorder- und keine Rückseite. Beide Seiten sehen gleich gut aus, nur die Farben sind gespiegelt. Meistens jedenfalls. Es gibt wie immer Ausnahmen.
Auch hier sind die Brettchen zweifarbig bezogen (identische Farben nebeneinander). Das Muster entsteht durch das Drehen der einzelnen Brettchen in unterschiedliche Richtungen. Der Grundrhythmus ist zwei Drehungen vor und zwei zurück, um ein einfarbiges Muster zu erzeugen.
Zudem wird immer abwechselnd S und Z aufgezogen. Dadurch entsteht die für das Doubleface typische Struktur.
Diese Technik eignet sich dazu, gerade Linien abzubilden. Auch kann man mit dieser Technik Schriftzüge weben.
Sonderformen sind das einseitig gestellte Doubleface. Sprich: Im Musterteil sind alle Brettchen auf S oder Z gestellt. Im historischen Kontext gibt es dazu mehrere Funde, z. B. Durham/GB (Mittelalter) oder Moščevaja Balka (Frühmittelalter).
Sulawesi
Genau genommen ist es die Webtechnik der Sa'san Toraja von der indonesischen Insel Sulawesi, die, soweit ich weiß, erstmals von Peter Collingwood in seinem Buch Tablet Weaving beschrieben wurde. Hauptsächlich gibt es Funde aus Sulawese, aber es gibt auch vereinzelte Borten in der europäischen Geschichte, die so gewebt wurden. Z.B. eine Borte aus Hallstatt, die Borte von der Adlerkasel aus Brixxen.
Meistens wird mit drei Farben gewebt, z. B. Rot-Blau-Rot-Weiß. Obwohl die Brettchen anders geschärt werden, funktioniert das Weben genauso wie beim Doubleface, aber man kann ganz deutlich eine Vorder- und eine Rückseite erkennen.
Ausgelassener Einzug
Die englische Bezeichnung lautet „Missing Hole“. Sie deutet an, dass in dieser Technik das Brettchen nicht mit den üblichen vier, sondern nur mit drei Fäden bezogen wird und ein Loch leer bleibt. Dadurch entsteht eine fast schon dreidimensionale Struktur, sodass das Gewebe sehr plastisch wirkt. Identische Farben werden meistens gegenüber aufgezogen. In dieser Technik wirken diagonale Linien besonders gut.
Häufig werden hier zwei Brettchen wie ein Doubleface-Brettchen verwendet.
Hier gibt es einige Funde, z. B. im keltischen Hochdorf (dort ist der ausgelassene Einzug oft neben der Musterfarbe), im 'koptischen' Ägypten und in spätmittelalterlichen isländischen Bändern.
Stippengewebe (zwei Fäden pro Brettchen)
Die englische Bezeichnung kann auch „Pebble Weave“ lauten. Hier werden statt aller vier Löcher nur zwei Löcher mit Fäden bezogen. Dadurch, dass die Brettchen abwechselnd S und Z aufgestellt werden, entsteht die typische Struktur mit den „Pebbles“ oder „Stippen“. Je nach Drehrhythmus kann man aber auch sehr glatte diagonale Linien weben.
Häufig werden hier zwei Brettchen wie ein Doubleface-Brettchen verwendet.
Für die Frühzeit gibt es mit Hochdorf, Hallstatt, Mammen, Vestrum und Chelles mehrere Fundorte, wo Bänder, die mit dieser Technik gewebt wurden, gefunden wurden.
Es gibt auch noch eine andere Version dieser Webtechnik. Dort sind die Löcher für die Fäden nicht in den Ecken, sondern mittig am Rand der Brettchen platziert. Die frühmittelalterlichen Borten aus Gotland wurden so gewebt.
Das isländische Doppelgewebe
Hier sind die Löcher für die Fäden nicht in den Ecken der Brettchen, sondern mittig am Rand der Brettchen platziert. Alternativ kann man die „normalen“ Brettchen auch auf die Spitze drehen, sodass man beim Weben zwei Fächer hat, die sich öffnen und schließen. In einer Reihe werden die Brettchen individuell gedreht, in der nächsten werden alle Brettchen in eine Richtung gedreht.
Da ich diese Technik noch nicht gewebt habe, gibt es hierzu keine Bilder.
Köpertechnik
Sie wird auf Englisch „3/1 broken twill“ genannt. Es ist eine Technik, bei der die Brettchen zweifarbig (identische Farben nebeneinander) bezogen werden. Die Struktur des Bandes erinnert an ein Köpergewebe aus der Tuchweberei und daher hat die Technik ihren Namen.
Auch hier entsteht das Muster durch das Drehen der einzelnen Brettchen in unterschiedliche Richtungen. Wenn man einfarbig webt, erscheint eine diagonale Struktur im Gewebe. In der Köpertechnik werden hauptsächlich Muster mit diagonalen Linien gewebt.
Historische Borten, die man mit dieser Technik gewebt hat, gibt es aus Hallstatt, Evebø, Maaseik, Mammen, Arlon und vielen anderen Orten.
Flottierungstechnik
„Snartemo“ lautet die englische Bezeichnung, nach einer der bekanntesten historischen Borten, die in dieser Technik gewebt wurde. Es gibt dreifarbige (identische Farben gegenüber) und vierfarbige Flottierungen.
Auch hier werden die Brettchen einzeln gedreht. Dabei bleiben oft Kettfäden recht lange „oben“, sodass sie flottieren (sozusagen über dem Gewebe schweben).
Die bekanntesten historischen Borten stammen aus Snartemo, Köln und Chelles. Diese Technik wurde oft im frühmittelalterlichen Europa verwendet.
Spitzengewebe (auch Doublecloth genannt)
Es ist eine recht unbekannte Technik. Hier sind die Löcher für die Fäden nicht in den Ecken der Brettchen, sondern mittig am Rand der Brettchen platziert. Alternativ kann man die „normalen“ Brettchen auch auf die Spitze drehen, sodass man beim Weben zwei Fächer hat, die sich öffnen und schließen. Es wird mit zwei Schussfäden gearbeitet und das entstehende Band ist besonders stabil.
Bisher kenne ich nur die eisenzeitliche Borte aus Dürrnberg einige Borten aus dem 14./15. Jahrhundert, z. B. aus Italien, die sehr aufwändig gewebt wurden.
Einfachere, einfarbige Funde gibt es aus dem spätmittelalterlichen Erfurt.
Broschieren
Auf Englisch „brocading“ genannt. Es ist eigentlich keine richtige Brettchenwebtechnik, weil das Muster mit einem zusätzlichen Schussfaden, dem Broschierfaden, über dem Gewebe entsteht (das kann über jedem Gewebe gemacht werden).
Deswegen ist es auch uninteressant, in welcher Technik das Gewebe darunter entsteht.
Aber dafür ist es eine der historisch am häufigsten verwendeten Techniken. Egal, ob im Frühmittelalter (Kent), bei den Wikingern (Birka) oder im Hochmittelalter – überall wurden Bänder mit Broschierungen gefunden.
Soumak
Ein zusätzlicher Schussfaden wird um die Kettfäden gewickelt. Deswegen ist auch dies keine richtige Brettchenwebtechnik.
Ich kenne keine Borten, bei denen diese Technik über die komplette Länge der Borte angewendet wurde. Aber es gibt viele Borten, bei denen sie als Eyecatcher verwendet wird.
Z. B. Snartemo (Völkerwanderungszeit) und der Gürtel Philipps von Schwaben (Hochmittelalter).