Borte aus der Kirche 'Unserer Lieben Frau Hemelvaart',

St. Truiden, Belgien

 
brettchenweben-stTruiden-vorschauIn der Kirche wurden insgesamt die Fragmente von über 20 brettchengewebten Bändern gefunden. Sie gehörten zu den Reliquien, die dort verehrt wurden. Hier habe ich das Fragment 109b nachgewebt.
 
Es stammt aus dem 13./14. Jahrhundert. Ursprünglich stammt es wahrscheinlich aus Köln, Deutschland und wurde um 1270 nach St. Truiden gebracht.
 
 
More than 20 tablet woven bands had been found in the curcht 'Onze-Lieve-Vrouw Hemelvaart', St. Truiden. They had been part of the relics which had been worshiped there.
It had been there since the 13th/14th century. But it is assumed that it had been woven in Colongne arount 1270.
 
Im Original hatte das Band folgende Daten:
Breite: 1,0 cm
Länge: 60,8 cm (insgesamt wurden vier Fragmente gefunden: 14,1 cm, 15,8 cm, 16,3 cm, 14,6 cm)
Kette:  grüne und rote Seide
Schussfaden: grüne Seide, doppelt verwendet, 25 Schuss pro cm
Broschierfaden: Goldlahn , Silberlahn, 25 Schuss pro cm, weisse, rosanne und rote Seide
Brettchen: 25
Alle Brettchen sind mit jeweils vier Fäden bezogen worden,  jeweils zwei rote und zwei grüne Fäden. Somit ist das Band sowohl broschiert worden, als auch in der Köpertechnik gewebt worden.
Aufzug: abwechselnd S und Z.
 
 
Im Gegensatz zum Originalband ist das Grundgewebe nur in einer Farbe gewebt worden.
Kettfaden: Realseide, dunkelblau
Schussfaden: Realseide, dunkelblau
Broschierfaden: Goldlahn, rote & weiße Realseide
Höhe: 1,9 cm
Arbeitszeit: ca. 110 Stunden

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 Inzwischen hat diese Borte einige Jahre auf dem Buckel und ist viel getragen worden. Das Band ist mit Seide hinterlegt worden, hat neue Beschläge und eine neue Schnalle bekommen.

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So wurde die Borte bei der Ausstellung 'Die alte Kunst des Brettchenwebens' (20.03.2005-01.05.2005) im Museum Aldingen präsentiert.

So sahen die Beschläge früher aus:

Der Gürtelbeschlag ist nach Vorlagen aus dem 13. Jahrhundert von Michael Perschau entworfen worden. Hergestellt wurde er von Nina Schnittger.

Bevor ich den Gürtel mit Goldlahn gearbeitet hatte, hatte ich ein Probestück gewebt:

Im Gegensatz zum Originalband sind die Kettfäden nur in einer Farbe aufgezogen worden.
Das Band ist somit nicht in Köpertechnik gewebt. Ich habe nur gelbe Realseide als Broschierfaden verwendet. 
Aber das Muster ist trotz allem noch gut erkennbar. 
Kette: Schappseide
Broschierfaden: Realseide
Höhe 1,9 cm

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Literatur:
Nancy Spies, "Ecclesiastical Pomp & Aristrocatic Circumstance", Maryland 2000
Provinciaal Muuseum voor Religieuze Kunst, 'Stof Uit de Kist. de Middeleeuwse Textielschat Uit de Abdij Van St.-Truiden', Sint-Truiden 1991
Muster: Nancy Spies
Technik: Broschieren