Die Borte am Ärmel der Heiligen Bertille

Brettchenweben-chelles-aermel-vorschauAls in Chelles die Gräber der Heiligen Bathild (gestorben ca. 680) und der Heiligen Bertille (gestorben ca. 704) geöffnet wurden, fanden sich dort viele brettchengewebte Borten. So war z.B. die Ärmel der Tunika der Bertille mit brettchengewebter Borte verziert worden.
 
Ich habe die Borte des Ärmels in rot und weiß nachgewebt. Im Original hat die Borte zwölf Brettchen im Musterteils, die nur mit je 2 Fäden pro Brettchen aufgezogen sind. Die Randbrettchen (9 und 13 Stück) sind ganz normal mit 4 Fäden pro Brettchen bezogen.

Die Bordüre vom Gürtel der Bathild

Brettchenweben-ChellesVorschauIn dem gemeinsamen Grab der Heiligen Bathild (gestorben ca. 680) und der Heiligen Bertille (gestorben ca. 704) wurde auch ein Gürtel gefunden, der aus drei Fragmente bestand, ca. 5 cm breit und insgesamt 160 cm lang war. Er wird der Bathild zugeordnet.

Das Hauptmuster zeigt verschiedene Tiermotive, die oben und unten von schmalen, brettchengewebten Bordüren gesäumte werden.

Diese Bodüren waren 0,5 cm breit und als Stippengewebe gewebt.

Ein brettchengewebtes Band aus dem Grab der hl. Bathild/Äbtissin Bertilla in der Abtei Chelles  

Da es sich um eine Grabbeigabe handelt, ist es in diesem Fall sehr einfach, das Band zu datieren. Bathild starb um 680, Bertill um 704 n. Chr, sie ist im Grab von Bathild beigesetzt worden.IMG 1517


Viele Textilien konnten einer der beiden zugeordnet werden, aber bei diesem Band ist das nicht der Fall.

Eine Borte aus dem Textilfund aus St. Severin in Köln

Brettchenweben-St.Severin-vorschau

 
Die Textilfunde stammen aus einem Schrein aus St. Severin in Köln. Man weiß, dass der Holzschrein im Jahr 948 verschlossen wurde und anhand von Mäusefraßspuren konnte man bei fast allen Textilien aus dem Fund feststellen, dass die Textilien zu dem Zeitpunkt im Schrein lagen.
 
Bei der Albe, auf die die Brettchenweberei genäht war, konnte man keine Fraßspuren finden und sie nicht genau zeitlich zuordnen. Da die Technik und Motive der brettchengewebten Borte Parallelen zu den Funden aus den Gräbern der französischen Königin Bathilde aufweist, die 680 in Chelles beigesetzt wurde, wird angenommen, dass die Albe ein ähnliches Alter hat. 
 
 

Die Borte aus Moščevaja Balka

Das Band stammt aus dem Gräberfäld Moščevaja Balka, das an der Seidenstraße am Schwarzen Meer liegt und wird auf das 8. - 9. Jhd. datiert.
Die Borte wurde wahrscheinlich als Besatz eines Gewandes verwendet, an einer Kante sind Nahtspuren erhalten.

Stirnband eines Mädchens aus Moscevaja Balka

Kaukasus

 
Brettchenweben-Aisling-Ducks-VorschauDa Moscevaja Balka an einem wichtigen Pass der Seidenstraße liegt (Zugangsweg zum Tsegerker-Paß (Laba-Paß)), der über die große Kaukasus-Gebirgskette führt, hatte die einheimische Bevölkerung als Wegezoll oder im Handel gegen andere Gegenstände (es wurden Rechnungen für Fleisch gefunden), viele wertvolle Seidenstoffe erhalten, mit der sie auch beerdigt wurden.
 
Es handelt sich hier um einen Begräbnisplatz, der im Laufe der Jahrhunderte mehrfach geplündert und ergraben wurde. Als 1968 eine weitere Grabung durchgeführt wurde, wurde auch das Grab I/2 untersucht. Wie viele andere Gräber auch, war dieses schon vorher geöffnet worden, aber es war nicht vollständig ausgeräumt worden.
Hier wurde ein etwa 12-13 Jahre altes Mädchen beerdigt, das aufgrund der Beigaben und der Art, wie es ins Grab gelegt wurde, der einheimischen Bevölkerung zuzuordnen ist.
 

Birka B20

Eine Borte aus dem Gräberfeld Birka, Schweden 8./9. Jhd.


'Von den ungefähr 170 Gräbern, in denen man überhaupt Spuren von Textilien gefunden hat, enthielten beinahe 60 Stück derartige Bänder.
Die erhaltenen Brettchenborten aus Birka sind lauter reine Zierbänder.'

aus Birka III die Textilfunde aus den Gräbern von Agnes Geijer

Birka B2

Aisling-BirkaB2VorschauDie Borte stammt aus dem Grab 824. Es handelt sich um ein Frauengrab aus dem 10. Jhd. Urspünglich säumte die Borte ein rechteckiges Seidenstück, das gefüttert war und über Schulter/Rücken lag.

Von der Borte wurden Fragmente von bis zu ca. 9 cm Länge gefunden.

Birka B22

Eine Borte aus dem Gräberfeld Birka, Schweden 8./9. Jhd.

Aisling-BirkaB22-VorschauAuch hier stammt das Original wie auch die Borte B2 aus dem Frauengrab 824 aus dem 10. Jhd.. Das gefundene Fragment ist ca. 9,5 cm lang und 1,2 cm breit.

Es wurde abwechselnd mit Gold- und Silberschuss gewebt, hatte 17 Musterbrettchen und an jeder Seite 4 - 6 Randbrettchen (ein Teil davon ist vergangen). Wahrscheinlich war das Stück ursprünglich an einen jetzt vergangenen Stoff angenäht. Fragmente gleichen Aussehens haben wahrscheinlich hierzu ein Gegegenstück gebildet.

Birka B9Brettchenweben Birka B9 Vorschau

Eine Borte aus dem Gräberfeld Birka, Schweden 8./9. Jhd.


'Von den ungefähr 170 Gräbern, in denen man überhaupt Spuren von Textilien gefunden hat, enthielten beinahe 60 Stück derartige Bänder.
Die erhaltenen Brettchenborten aus Birka sind lauter reine Zierbänder.'

aus Birka III die Textilfunde aus den Gräbern von Agnes Geijer

Ein schmales Band aus Oseberg

Norwegen (ca. 830 n.Chr.)

 
Brettchenweben-Aisling-Oseberg-vorschauManchmal brauche ich zur Abwechslung zu sehr aufwändigen Arbeiten was ‚Schnelles‘ für Zwischendurch.
Nichts worüber ich lange nachdenken muss, sondern einfach das Muster aufziehen und loslegen kann.
 
Dieses Mal habe ich mir das schmale Oseberg-Band aus 'Reconstructed tablet woven bands from Vestfold' von Else-Margrethe Huse ausgesucht.
Das Band ist ein Teil des Fragments 12 L 1 das im Buch ‚Tekstilene’ folgendermaßen beschrieben wird:
‚Cake containing spiral patterned silk embroidery, silk tablet-woven band type IV, weft faced compound twill, red wollen tabby...“ It is 0,5 cm wide.
 

Durham

Eine Borte aus dem Schrein des Heiligen Cuthbert.


Die Borte wurde ursprünglich für den Bischof Fristestan zwischen 909 und 916 hergestellt. im Jahr 934 wurde die Borte von König Athelstan in das Grab des Heiligen Cuthbert gelegt.

 

Abschlussband des sogenannten Messgewandes der Heiligen Harlindis und Relindis; 8./9. Jahrhundert

 

Die Angelsächsischen Stickereien, verziert mit brettchengewebten Bändern, die sich nun in Maaseik befinden, wurden lange Zeit als Handarbeit zweier lokaler Schwestern, Harlindis und Relindis, angesehen, die das Aldeneik-Kloster gründeten. Die Stickereien weisen auf ein Messgewand hin.
Die broschierten Bänder sind wahrscheinlich in Angelsachsen hergestellt worden und zu einem späteren Zeitpunkt auf das Festland gebracht worden.

Ein goldener Besatz

aus dem wikingerzeitlichen Dublin

Brettchenweben-Dublin-Vorschau

In der Altstadt von Dublin sind seit dem Jahre 1962 über 2000 Textilfragmente ausgegraben worden. Die Mehrzahl der Funde sind aus Wolle, aber einige wurden aus anderen Materialien hergestellt, wie z.B. Seide.

Das Band stammt wahrscheinlich aus der 2. Hälfte des zehnten Jahrhunderts und wurde wahrscheinlich nicht in Dublin gefertigt.

Hvilehoj

Ein Bortenfragment Mitte bis Ende des 10.Jhd.


Brettchenweben-Hvilehoj-VorschauNach einer Rekonstruktionszeichnung von Lise Raeder Knudsen habe ich das Muster für diese Borte entwickelt. Ein Teil entspricht der historischen Vorlage, ein anderer ist eine Abwandlung des historischen Musters.

 

 

KostrupBrettchenweben-kostrup-vorschau

ein Fund aus dem 10. Jhd. Dänemark
 
Im Jahr 1980 - 1981 wurde in Køstrup, Fyn (Dänmark) ein alter Friedhof untersucht. Von den fünfzehn gefundenen Gräbern gab es nur eins, das interessante Textilfunde hatte. Das Grab ACQ. Unter den Textilfunde gab es ein 13,3 cm langes und 14 mm breites Fragment eines brettchengewebten Bandes.
 

Das Band aus Mammen, Dänemark

Ca. 970 n.Chr.

Brettchenweben-Aisling-Mammen-vorschauAls im Jahr 1868 ein Bauer ein Hügel auf seinem Gelände abtragen wollte, fand er das reich ausgestatte Grab eines Mannes in dem sich viele Textilien erhalten hatten.

Das Textilstück ‚C136a’ ist ein brettchengewebtes Band.

Ursprünglich war das Band mit zwei Wollfäden und zwei Pflanzenfäden pro Brettchen gefertigt worden, aber die Pflanzenfasern sind heutzutage vergangen. Das Muster wurde in Köpertechnik gewebt.

Das Band aus Kekomäki, Kaukola

 
Brettchenweben-kekomaeki-kaukolaEs handelt sich um einen Grabfund aus dem 10. Jhd aus Finnland. 
 
Theodor Schwindt hat es in seinem Buch'Tietoja Karjalan rautakaudesta' aus dem Jahre 1893 gezeichnet. Es hat dort die Abbildungnummer 376.
Ich habe das Band nach der Anleitung von Egon Hansen gewebt, ohne jedoch das Muster von dem Original zu kennen.

Das Band 379 aus Kekomäki, Kaukola

Brettchenweben-379vorschau

Nein, es wurden keine 379 Borten in dem finnischen Ort gefunden, es ist die Abbildungsnummer aus Theodor Schwindts Buch 'Tietoja Karjalan rautakaudesta' aus dem Jahre 1893.
Die Zeichnung ist so klar und deutlich, dass man den Eindruck hat, jede einzelne Faser erkennen zu können.
Für mich war von Anfang an klar, das ist ein kleines Köperband, aber ich hatte andere, dringendere Projekte.
Bis ich dann auf eine Rekonstruktion stieß, wo das Muster als einfache Schnurbindung in drei vor, drei zurück nachgearbeitet wurde. Kann man machen, aber die glatten Linien der Zeichnung kommen dann nicht raus.

Noch ein Band aus aus Kekomäki, Kaukola

brettchenweben-kk3-vorschauIn dem Buch  'Tietoja Karjalan rautakaudesta' von Theodor Schwindt  aus dem Jahre 1893 gibt es insgesamt 4 Zeichnungen von Bändern.


Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mit der Zeichnung aus dem Buch nicht viel anfangen konnte und so habe ich mich auf die Rekonstruktion aus dem Buch 'Applesies and fox Noses finnish tabletwoven bands' von Maikki Karisto und Mervi Pasanen verlassen.

Kirkkomäki Grab 27

Turku, Finland, 11. Jhd

Brettchenweben-Aisling-Kirkkomaeki-vorschau1991 wurde in Kirkkomäki ein beindruckendes Frauengrab ausgegraben. Das Grab wird auf die 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts datiert und neben vielen Textilien wurden auch brettchengewebte Bänder gefunden.

Dieses hier befand sich in Höhe der Taille und zwei bronzene Bärenzahnanhänger waren daran befestigt. Mit 7 cm Länge und 1,6 cm Breite ist leider nur ein kleines Fragment gefunden worden. Jedoch ist es groß genug, um ein Muster zu erkennen.

Das Band vom Kaftan aus Priednieki

Aisling Priednieki VorschauManchmal 'stolpert' man über Dinge und weiß zuerst nicht was man damit soll. So war es mit dieser Borte. Als vor einiger Zeit, die Abbildung von dem Kaftanfragment in einer Gruppe auftauchte, war ich begeistert. Doch welche Technik war es? Broschiert? Ich starrte auf meinen Monitor und konnte nichts erkennen

Als ich das Bild Sylvia auf meinem Handy zeigte, meinte sie nur 'Da sind doch Nupsies', und ja, in der anderen Auflösung, war es plötzlich klar. Es war ein Zweilochgewebe.

Ein broschiertes Band aus Chernigov, Ukraine

Aisling-Chernigov-Vorschau01
 
Im Jahr 2005 wurde bei einer Ausgrabung unter anderem dieses Grab geöffnet, das in die 2. Hälfte des 10. Jhd. datiert wird. In dem Grab befand sich ein Mann, der mit vielen Beigaben bestattet wurde, u.a. mit einem Schwert, Sattel und zwei Pferden.

Zu der Ausstattung gehörten auch mindestens fünf Textilstücke und mehrere Stücke einer brettchengewebten, broschierten Borte (Silberlahn).
 

Ladoga Objekt Nr. I / 7
Ein brettchengewebtes Band aus dem Gräberfeld Ladoga / Russland.

Aisling-Lagoda-VorschauDer Ort Lagoda wurde um 750 n.Chr. aus dem skandinavischen Raum besiedelt und liegt etwa 15 Kilometer südlich der Mündung des Wolchow in den Ladogasee, nicht ganz 150 km östlich von St. Petersburg.

Die Funde aus dem Gräberfeld stammen aus einer späteren Zeit und werden auf das 10. bis 12. Jahrhundert geschätzt.

Ladoga Objekt Nr 6

Ein weiteres brettchengewebtes Band aus dem Gräberfeld Ladoga / Russland

 

 
Aisling-Ladoga06-VorschauDas Objekt Nr. 6 ist zweiteilig. Zum einem besteht es aus einem schmalen brettchengewebten Band und zum anderen aus einem Stück Stoff, auf das das Band angenäht wurde.

Es ist genau wie die anderen Textilfunde in das 10. - 12. Jhd. datiert.

Leider ist der Fundbericht auf Russisch und mein Übersetzungsprogramm hat mich im Stich gelassen, so dass ich mich auf das verlassen habe, was ich selbst interpretieren kann: das Bild von der Borte.