Stirnband eines Mädchens aus Moscevaja Balka

Kaukasus

 
Brettchenweben-Aisling-Ducks-VorschauDa Moscevaja Balka an einem wichtigen Pass der Seidenstraße liegt (Zugangsweg zum Tsegerker-Paß (Laba-Paß)), der über die große Kaukasus-Gebirgskette führt, hatte die einheimische Bevölkerung als Wegezoll oder im Handel gegen andere Gegenstände (es wurden Rechnungen für Fleisch gefunden), viele wertvolle Seidenstoffe erhalten, mit der sie auch beerdigt wurden.
 
Es handelt sich hier um einen Begräbnisplatz, der im Laufe der Jahrhunderte mehrfach geplündert und ergraben wurde. Als 1968 eine weitere Grabung durchgeführt wurde, wurde auch das Grab I/2 untersucht. Wie viele andere Gräber auch, war dieses schon vorher geöffnet worden, aber es war nicht vollständig ausgeräumt worden.
Hier wurde ein etwa 12-13 Jahre altes Mädchen beerdigt, das aufgrund der Beigaben und der Art, wie es ins Grab gelegt wurde, der einheimischen Bevölkerung zuzuordnen ist.
 
Moscevaja Balka is a burial ground at the so called silk road in the Caucasus. Within the last centurys there had been ravages and excavations of this area.
In the year 1968 there had been another excavation and the grave I/2 had been examinated. Like most of the other graves it had been opened before but it hadn’t been devasteted.
It’s the grave of a 12-13 years old girl which had been layed down with adjuncts of the lokal rituals.
 
Trotz der Plünderung konnte hier ein feines brettchengewebtes Stirnband, das mit Brakteaten (Münzkopien) geschmückt war, gefunden werden. Die Brakteaten beziehen sich auf Münzen, die vor dem Jahr 741 geprägt wurden und so kann man auch sagen, dass das Mädchen nicht früher als im Jahr 741 mit ihrem Schmuck beerdigt wurde.
 
Besides of the ravages the excavator found a fine tablet woven haedband decorated with some brakteates (copys of coins). From this you can say that the burial had been later than the year 741.
The tablet woven band is not part oft he central european cultur as it has it’s origins in Syria.
 
Dieses Band gehört nicht zur europäischen Kultur des 8./9. Jahrhunderts, sondern hat seinen Ursprung in Syrien. Das Brettchengewebe hat Parallelen unter den sog. "koptischen Textilien", z.B. dem Band aus Achmim (8./9. Jhd).
 
Brettchenweben-Aisling-Moscevaja-Balka-Original 
 
Daten des Originals:
Kette: 15 Brettchen, je 2 Randbrettchen mit 4 Fäden aus grüner Wolle, 11 Musterbrettchen mit je 2 Fäden aus rotbrauner Wolle und 2 ungefärbten Leinenfäden.
Schuß: grüne Wolle
Breite: 1,2 cm
Fragment Länge: 23 cm
Motiv: ca. 3,6 cm lang
Die Vögel (Enten?) wurden in einer Kombination aus Köper und einseitig geschärtem Doubleface gewebt, so dass beim Wechsel der Technik auch die Brettchen neu ausgestellt werden müssen. Hat man es einmal raus, so ist dieses Band erstaunlich schnell gewebt. Dabei kann man leicht variieren, dass jedes Tier ein wenig anders aussieht, damit es dem Original näher kommt.
 
The birds (ducks) had been woven in a combination of 3/1 broken twill and doubleface. By changing the technique during weaving you have to sort the tablets new. But if you know how to do it it’s a fast method of weaving.
 
Daten meiner Nachwebung:
Kette: 15 Brettchen, Wolle 20/2, davon 4 Randbrettchen grün, 11 Musterbrettchen mit je 2 Fäden weiß und rot bezogen
Schuß: Wolle 20/2 grün
Breite: 1,2 cm
Motiv: ca. 3,6 cm lang
Brettchenweben-Aisling-Duck-3
 
Brettchenweben-Aisling-Duck1
 
Brettchenweben-Aisling-Duck2
Einen Link zur Musteranleitung gibt es hier. (Click for the manual)
 
Literatur:
Anna A. Ierusalimskaja, Die Gräber der Moscevaja Balka, München 1996
Gustav-Lübcke-Museum (Hrsg.) Ägypten; Schätze aus dem Wüstensand; Kunst und Kultur der Christen am Nil. Wiesbaden 1996, S. 286
 
Anleitung: eigener Entwurf
Technik: Kombination aus Köper und einseitig geschärtem Doubleface