Eine Borte aus dem Textilfund aus St. Severin in Köln

Brettchenweben-St.Severin-vorschau

Die Textilfunde stammen aus einem Schrein aus St. Severin in Köln. Man weiß, dass der Holzschrein im Jahr 948 verschlossen wurde und anhand von Mäusefraßspuren konnte man bei fast allen Textilien aus dem Fund feststellen, dass die Textilien zu dem Zeitpunkt im Schrein lagen.
Bei der Albe, auf die die Brettchenweberei genäht war, konnte man keine Fraßspuren finden und sie nicht genau zeitlich zuordnen. Da die Technik und Motive der brettchengewebten Borte Parallelen zu den Funden aus den Gräbern der französischen Königin Bathilde aufweist, die 680 in Chelles beigesetzt wurde, wird angenommen, dass die Albe ein ähnliches Alter hat. 
 
 
The orgin of this band had been found in Cologne (church of St. Severin). It must have been woven before 948 and comparing to the finds of Chelles (ca. 700) it is assumed that this band has a similar age .I did the reconstruction based on pictures of the band. But weaving it I used too thick silk so it bekame a width of 2,4 cm instead of the 1,2 cm of the original. There are also some parts of the pattern which doesn't work as well as the original but I have an idea how it will be done.
Zu dieser Borte gab es keine Mustervorlagen und ich habe anhand der Bilder das Muster rekonstruiert und nachgewebt.
Es handelt sich um eine vierfarbige Borte, die von der Weberin in weiß, gelb, rot und grün (evtl. ursprünglich blau) in Seide gewebt wurde.
Auch ich habe das Band in vier Farben aufgekettet - allerdings in dickerer Seide, so dass statt der urprünglichen 1,2 cm Breite die Borte doppelt so breit geworden ist (2,4 cm). Auch stimmt der Aufzug nicht, dies sieht man besonders gut bei dem Zwischenmuster, das nicht so klar herauskommt wie im Original (inzwischen habe ich eine Idee, wie es funktionieren könnte und werde es bei der nächsten Version korrigieren).
Arbeitszeit für 2,6 m Borte: ca. 60 Stunden (in der 'dicken' Version).
Entwicklungszeit bisher: ca. 50 Stunden.
Das Feintuning am Muster konnte ich erst vornehmen, nachdem ich die ersten Entwürfe gewebt hatte.

Bildschirmfoto 2013-02-12 um 17.05.09

Links ein Bild der Originalborte, in der Mitte meine Webanleitung und rechts die nachgewebte Borte. Man sieht ganz deutlich, dass das 'Zwischenmuster', das oben rechts zu sehen ist, bei mir nicht sauber heraus kommt.

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Und dann gab es den Moment, wo ich St. Severin besichtigte und meine Borte direkt mit dem Original vergleichen konnte.
Wenn die Rekonstruktion nicht viel zu breit gewesen wäre, wäre ich noch glücklicher gewesen, so habe ich mir fest vorgenommen, das Band noch einmal in Originalgröße zu weben.

Inzwischen habe ich damit begonnen, das Muster in der Originalgröße nachzuweben. Mehr dazu in meinem Blog.

Und seit Anfang 2016 ist sie fertig.

Aisling-St.Severin-neu01

2,40 m lang, Breite 15 - 16 mm (das Original ist 12 mm breit). Mehr Informationen in meinem Blog. Das Zwischenmuster stimmt jetzt.

Aisling-St.Severin-neu02

Bild von der Originalborte aus dem Buch 'Textilien in der Archäologie' des LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland.

Literatur:

Sabine Schrenk, "Fundort Schrein - Der Textilfund aus St. Severin in Köln", Textilien in der Archäologie, Materialien zur Bodendenkmalpflege im Rheinland 22, 2011
Der hl. Severin von Köln Verehrung und Legende Befunde und Forschungen zur Schreinsöffnung von 1999 herausgegeben von Joachim Oepen, Bernd Päffgen, Sabine Schrenk und Ursula Tegtmeier, 

 
Muster: eigener Entwurf

Technik: Flottierung